KOEPPCHEN „Relaunched“

Tradition im neuen Kleid

Ein kleines Wunder ist es vielleicht, ein großes Glück ganz sicher. Mitten in Wormeldingen, etwas erhöht über der Mosel liegend, hätte das 1907 gegründete Restaurant Koeppchen wie viele andere traditionelle Dorfgasthäuser nach einem Jahrhundert im Familienbesitz leicht der Bedeutungslosigkeit anheimfallen können. Stattdessen haben dort im Mai vergangenen Jahres junge Leute die Regie übernommen. Mit einem ebenso gewagten wie verblüffend einfachen Konzept: Das Koeppchen bleibt ein traditionelles, sehr luxemburgisches Dorfgasthaus, hat sich aber verjüngt und modernisiert.

„Das war eine normale bürgerliche Gaststätte“, sagt Mathias Krack. Er ist 27, hat Wirtschaft studiert, Koch gelernt und ist nun bei der Gastro-Firma Concept+Partners für Koeppchen zuständig. „Weil wir junge Geschäftsleute sind, wollten wir beides: Die Tradition beibehalten, aber ein bisschen frischen Wind hier reinbringen.“ Der Spagat zeigt Wirkung: „Das Konzept hat vom ersten Tag an funktioniert.“

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Ein kurzer Blick auf die Speisekarte zeigt, was gemeint ist. Drei Suppen, sechs Vorspeisen (unter anderem Foie gras de canard mit einem Feigen-Chutney und Feierstengszalot mit luxemburgischem Fleisch) sowie fünf unterschiedliche Burger, darunter ein vegetarischer auf Falafel-Basis. Bei den Hauptgerichten ist die Mischung besonders eindeutig: Einerseits Klassiker wie Entrecôte, Cordon Bleu oder ein Rindsfilet Black Angus, andererseits auch das ansonsten eher seltene Steak de cheval, ein „Tartar Kopp“ nach altem Rezept, Kniddelen natürlich und (so die Karte) „L’incontournable bouchée à la reine“ – aber vor allem die „Friture de poissons“.

Die frittierten Fischlein, sagt Krack, seien 100 Jahre lang „das Aushängeschild des Lokals“ gewesen: „Da kommen die Leute von überallher. Das ist so eine Traditionsgeschichte.“ Für die Gäste sei wichtig, „dass die Friture immer gleich ist“: Dafür bürgt der Chefkoch. Der hatte schon 17 Jahre lang im Koeppchen am Herd gestanden, als die neuen Pächter kamen und ihn ohne Zögern übernahmen. „Wir wollten einfache luxemburgische Gerichte gut machen. Das Traditionelle wird immer bleiben.“ Das könne man jeden Tag erleben: „Die Dinge, die wir hier am besten verkaufen, sind die Hamburger und die Friture“, sagt Krack. Und es sei keineswegs so, dass die Jungen die Burger und die Älteren die Friture bestellten: „Mit dem Alter hat das nichts zu tun.“

Ein „altes Restaurant, wo alles dunkel und altmodisch war“, sei dies gewesen, erinnert sich Krack. Es habe einen sichtbaren Investitionsstau gegeben. Vor allem Sanitäranlagen, den Fußboden und die Möbel habe man ersetzt: „Das hat große Wirkung. Und wir haben alles aufgefrischt, alles heller gemacht.“ Ein segelschiffartiger Tresen, der wie ein Designerstück in edlem Holz in den Gastraum ragt, ist erstaunlicherweise nicht neu: „Den haben wir vom alten Koeppchen übernommen.“ Klare Linien beherrschen das Interieur, aufgeräumt und völlig unplüschig ist alles – und dennoch einladend und gemütlich.

Das alte Koeppchen war immer ein Treffpunkt in Wormeldingen. Und das neue ist es geblieben. „Das war ein Haus, wo man von Taufe und Kommunion bis Hochzeit und Beerdigung alles machte“, formuliert Krack. „Und das machen wir jetzt auch.“ Deswegen gebe es auch keine Zielgruppe des Restaurants. „Als wir mal gesagt haben, unsere Zielgruppe seien Menschen zwischen 3 und 79 Jahren, waren die über 79-Jährigen etwas beleidigt. Deswegen würde ich jetzt von 3 bis 95 sprechen – aber auch die Hundertjährigen sind uns sehr willkommen.“ Freitagabend sei das Koeppchen voll mit „jungen bis mittelalten“ Gästen. Sonntags sei eindeutig ein Familientag. Dann seien alle 90 Plätze mit vorwiegend älteren Menschen belegt: „Da macht man einen kleinen Spaziergang und danach wird noch schnell eine Friture gegessen.“

„Wir gehen ganz gezielt auf das klassische bürgerliche Restaurant zu“, sagt Krack. Es gebe einen Trend zur Internationalisierung, der aber nicht gegen die traditionelle Küche spreche. „Weil man es immer weniger findet, wird das gutbürgerliche Essen wieder ein Trend werden. Man muss es schön präsentieren, aber das Rustikale wird wieder zurückkommen.“ Das Koeppchen habe nicht den geringsten Ehrgeiz, einen Michelin-Stern zu bekommen. „Die Leute wollen nicht immer etwas Spezielles essen. Manchmal möchten sie nur ausgehen, etwas Einfaches essen und ein Bier dazu trinken. Man sucht nicht immer das Sterne-Menu. Michelin passt nicht in unser Konzept.“ In einer großen Brasserie, die Concept+Partners im März in Luxemburg-Stadt eröffnen wollen, werde es deswegen „auch einige typisch luxemburgische Sachen geben, weil wir finden, dass die fast überhaupt nicht mehr angeboten werden“. Und ganz bewusst habe man im Koeppchen auf Pizza und Pasta verzichtet: „Das ist zwar ein lockeres Essen, aber für hier wäre das zu viel.“ Locker und freundlich sind zwei Wörter, die Krack oft benutzt, wenn er von einem erfolgreichen Restaurant spricht. „Wir wollen, dass die Kunden wissen, dass sie sich wohlfühlen können – unabhängig davon, ob sie 15 oder 30 Euro für ein Essen bezahlen.“ Locker bedeutet selbstverständlich auch, dass es im Lokal ein kostenloses W-LAN für alle Besitzer von Smartphones und Tablets gibt.

In einer ordentlichen traditionellen Dorfgaststätte muss etwas los sein. Jeden Monat wird im Koeppchen Programm gemacht. Das kann ein luxemburgischer Musik- und Tanzabend sein oder ein besonders festliches Essen zum Valentinstag. Oder die große Burger-Verkostung: Innerhalb von nur einem Tag waren alle 90 Plätze ausgebucht, um 5 verschiedene Mini-Burger zu probieren, begleitet von amerikanischem Bier. „Beim ersten Mal fand das noch in der Kellerbar statt, beim zweiten Mal brauchten wir schon das ganze Haus.“

Viermal im Jahr wird die Speisekarte an die Jahreszeit angepasst, jeden Monat gibt es eine Empfehlung außerhalb der Karte. Aber weitgehend unangetastet bleibt die Weinkarte. Sie ist eine Reverenz an Wormeldingen, das sich entlang 13 Flusskilometern der Mosel als wichtigstes luxemburgisches Wein-Anbaugebiet versteht. Denn die Weinkarte (sieben sehr eng bedruckte Seiten) umfasst nicht weniger als 100 luxemburgische Weißweine: „Wir haben von fast jedem luxemburgischen Winzer ein, zwei Weine auf der Karte, wir haben praktisch alle“, verkündet Krack voller Stolz. „Es gibt Leute, die jedes Mal, wenn sie kommen, einen anderen Wein probieren.“ Und formuliert einen schönen Superlativ: „Wir haben die kompletteste luxemburgische Weinkarte auf der Welt.“

 

Koeppchen Bistro Brasserie
9, Berreggaass
5485 Wormeldange
+352 76 00 46
iessen@koeppchen.lu

Kategorie : Restaurants
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